Fünf Spanisch-Schüler*Innen sammeln Erfahrungen in Bolivien

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Das Colegio Alemán Marical Braun in La Paz/Bolivien bietet einen ca. dreimonatigen Schüleraustausch an. Dazu müssen sich die bolivianischen Schüler*innen selbstständig deutsche Austauschpartner*innen suchen. In der Regel findet auch ein Gegenbesuch statt. Es werden jährlich deutsche Gastfamilien benötigt. Dieser Austausch ist also kein Schulaustausch, sondern ein privat organisierter Schüleraustausch. Bei Interesse kann man sich an Frau Brenner wenden.

Letztes Schuljahr wagten wir einen großen Schritt voller Vorfreude, Aufregung, jedoch auch Angst. Einen Schritt auf einen fremden Kontinent, weit weg von Familie und Freunden, und das nicht nur für einige Wochen, sondern für zwei und zum Teil auch drei Monate. Wir haben die spanische Sprache in den letzten Jahren so lieben gelernt, dass wir mehr entdecken wollten. Wir wollten eine neue Kultur, neues Essen und neue Menschen in unser Herz schließen. Vor allem aber haben wir uns gewünscht die Möglichkeit zu haben, mehr Spanisch zu sprechen als bloß im Unterricht. Dank der riesigen Hilfe von Frau Brenner, die uns bei allem unterstützt hat, und der Zustimmung von Frau Eller, ohne die diese einmalige Reise niemals zustande gekommen wäre, ging es für uns schließlich nach Bolivien. Wir flogen von Frankfurt über Bogotá nach La Paz, Bolivien. Obwohl die Flüge lang und anstrengend waren, verging die Zeit sehr schnell, da wir viel geredet, geschlafen und Filme geschaut haben. In La Paz kamen wir aufgrund der Zeitverschiebung mitten in der Nacht an. Wir waren sehr müde und fühlten uns etwas schlapp aufgrund der Höhe. Am Flughafen haben unsere lieben Gastfamilien auf uns gewartet und uns sehr liebevoll empfangen. Dies gab uns direkt Sicherheit und wir fühlten uns von Anfang an willkommen. Diese Offenheit gegenüber neuen Menschen ist eine Sache, die wir an den Bolivianern sehr geschätzt haben. Die ersten Wochen waren total aufregend. Neue Leute, neuer Alltag, neues Essen und ganz viele neue Eindrücke, die erstmal auf uns wirken mussten. Glücklicherweise fiel uns die Umstellung nicht sehr schwer und wir gewöhnten uns schnell an alles. Wir fühlten uns sehr wohl und auch die Höhe bereitete uns keine großen Probleme. Unsere erste Woche in Bolivien waren Ferien, sodass wir jeden Tag ausschlafen und jeden in Ruhe kennenlernen konnten. Nach den Ferien ging es für uns dann zum ersten Mal in die Schule. Es war das erste Mal, dass wir auf eine Privatschule gingen, und dann direkt in Bolivien. Wir wussten, dass es anders sein wird als das Mörike-Gymnasium, das wir bereits kannten. Allerdings waren wir voller Vorfreude ein neues Schulsystem und noch mehr Menschen kennenzulernen. Die ersten vier Schulstunden nahmen wir täglich an einem intensiven Spanischkurs teil, der uns dabei helfen sollte die spanische Grammatik der letzten Jahre zu wiederholen und mehr ins Sprechen zu kommen, sodass wir uns sicher fühlten. Der Kurs wurde von zwei wunderbaren Lehrern geleiten, die wir sehr lieb gewonnen haben und mit denen wir auch einige Male gemeinsam frühstückten. Nach den vier Stunden ging es für uns in die normalen Schulklassen mit den Bolivianern, in denen wir ein bisschen in den Unterricht schnuppern durften und auch einbezogen wurden. Da es eine deutsche Privatschule war, gab es Klassen, die auf Deutsch unterrichtet wurden, allerdings auch ganz normal spanische Klassen. Wir entschieden uns dafür in die spanischen Klassen zu gehen, um zu erleben wie es ist, verschiedene Fächer auf Spanisch zu haben und unsere Sprachkenntnisse weiter zu verbessern. Die Bolivianer in der Schule, sowie auch die ganzen Lehrer nahmen uns sehr gut auf, sodass die Schule dort für uns ganz normal wurde. Uns war allerdings sehr neu, dass das Schulgelände ab Schulbeginn um 8 Uhr abgesperrt wurde und es somit in Mittagspausen nicht verlassen werden konnte. 

 Es konnte entweder Essen in der Kantine bestellt werden oder es wurde ein Mittagessen von zuhause mitgegeben. Das war sehr seltsam für uns. Außerdem waren die Klassen deutlich kleiner als in Deutschland, statt 20-30 Schüler pro Klasse waren es dort nur etwa 8-15 Schüler. Diese Umstellung fanden wir jedoch gar nicht schlecht, sondern im Gegenteil ziemlich entspannt in kleineren Klassen unterrichtet zu werden.

Die größte Umstellung in der Schule war allerdings, nicht nur Schüler von Klasse 5-12 auf einem Gelände zu haben, sondern alles von Kindergarten bis Abitur. Dies wurde aber sehr gut unterteilt, sodass man die vielen Kinder gar nicht gemerkt hat. Nach der Schule ging es für uns fast täglich in den Sportclub. Dies war ein riesiger, privater Club, in dem man fast jeden Sport ausüben konnte.

Von etwa 25 Tennisplätzen bis zu einem dreistöckigen, modernen „Gym" und Basketball oder Fußball war alles dabei. Zwei verschiedene Restaurants gab es auch, in denen wir uns entweder einen kleinen Snack kauften oder auch zu Mittag oder Abend gegessen haben. Uns wurde nie langweilig, obwohl wir sehr viel Zeit dort verbrachten. Vor allem wenn unsere Austauschpartner lernen mussten, war es ein sehr guter Ort, an dem wir uns zusammen aufhielten. Obwohl Bolivien ein sehr armes Land ist, lebten wir dort ein sehr luxuriöses Leben, das wir uns hier gar nicht vorstellen können. Jede Familie besaß mindestens eine angestellte indigene Frau, die alles übernahm von kochen bis putzen und Wäsche waschen. Sie bereitete das Essen für die Kinder vor und kümmerte sich um den ganzen Haushalt. Sie lebte von Montag bis Freitag im Haus der Familie und hatte am Wochenende frei. Am Samstag und Sonntag gingen wir daher sowohl mittags als auch abends Essen oder bestellten etwas, da die Familien selbst sehr ungern kochten. Es war ein ganz anderer Lifestyle als den, den wir hier kennen. Das Essen in Restaurants war allerdings sehr viel günstiger als in Deutschland, was wir gerne ausnutzten:). An Wochenenden wurden außerdem oft Treffen bei verschiedenen Leuten organisiert, zu denen alle eingeladen wurden und gemeinsam Spaß hatten. Alle waren untereinander befreundet, egal ob jüngere oder ältere Stufen, was wir sehr toll fanden, da es bei uns leider nicht so oft vorkommt, dass Ältere Zeit mit den Jüngeren verbringen. Darüber hinaus ergab sich für uns die Möglichkeit, mehrere Städte aus Bolivien besichtigen zu dürfen, da uns von der Schule aus eine Rundreise organisiert wurde. Diese war freiwillig, doch wir nahmen alle sehr gerne daran teil. Somit reisten wir eine Woche lang mit einem Guide durch die Hauptstadt Sucre, Potosí und einer sehr besonderen Salzwüste Salar de Uyuni. Diese Reise war nur für uns Austauschpartner und wir genossen die Zeit sehr. Neue Städte zu erkunden und mal nur unter uns Deutschen zu sein hat uns sehr gut getan. Allgemein können wir alle sagen, dass es die beste Erfahrung unseres Lebens war. Wir sind durch diese Reise sehr gewachsen, selbständiger, mutiger und sehr viel offener geworden und bereit mehr Abenteuer in Zukunft zu starten. Außerdem verbesserte sich unser Spanisch sehr und viele von uns machen es als Leistungskurs weiter. Dieser Leistungskurs wäre vielleicht ohne die Reise auch nicht zustande gekommen. Mit unseren Gastfamilien und unseren Austauschpartnern haben wir uns glücklicherweise sehr gut verstanden und es fühlte sich fast wie eine zweite Familie an, die uns jederzeit mit offenen Armen in Bolivien empfängt. Wir können es jedem, dem sich eine solche Möglichkeit ergibt, empfehlen eine solche Reise anzutreten. Auch wenn Bolivien erstmal sehr unbekannt klingt und man in Südamerika wahrscheinlich anfangs eher an Argentinien, Brasilien oder Peru denkt, ist es ein tolles und facettenreiches Reich mit viel Kultur, leckerem Essen, sowie aufgeschlossen und großartigen Menschen.

Ianna, Rosalie, Tringa, Rubén und Mark