Unser Schüleraustausch in der Großstadt La Paz in Bolivien war deutlich mehr als nur Unterricht in einer anderen Sprache. Es war ein einmaliges Erlebnis, bei dem wir viel über die bolivianische Kultur, das alltägliche Leben und vor allem über Anpassungsfähigkeit gelernt haben. Während wir den Großteil unserer Zeit in der „Zona Sur", der sichersten und wohlhabendsten Gegend von La Paz, verbrachten, führten uns die Ferien und eine anschließende gemeinsame Reise durch verschiedene Teile des Landes. Dabei lernten wir Bolivien von ganz unterschiedlichen Seiten kennen.
Das Leben in der „Zona Sur": Achumani und San Miguel
Wir beide lebten bei bolivianischen Gastfamilien in Achumani und besuchten die Deutsche Schule „Mariscal Braun", die den Austausch mit dem Mörike-Gymnasium organisiert. Das soziale Leben vieler Schüler spielt sich vor allem in San Miguel ab. Dort gibt es viele Cafés, Restaurants und teure Geschäfte. Das Viertel wirkt dadurch teilweise sehr modern und europäisch.
Das Leben in unseren Gastfamilien war von großer Herzlichkeit und einem starken Familienzusammenhalt geprägt. Besonders deutlich wurde uns das bei den gemeinsamen
Mittagessen mit der Familie am Wochenende. Dabei verbrachten wir viel Zeit miteinander und bekamen einen guten Einblick in das alltägliche Leben in Bolivien.
Wir lernten außerdem schnell, dass Pünktlichkeit in Bolivien teilweise anders interpretiert wird als in Deutschland. Spontaneität gehört dort stärker zum Alltag, und Pläne werden häufig erst kurzfristig gemacht oder verändert. Daran mussten wir uns zunächst gewöhnen.
Auch die Sicherheitslage beeinflusste unseren Alltag. Aufgrund der Situation im Zentrum von La Paz durften wir uns nicht immer alleine außerhalb der Zona Sur bewegen. Häufig mussten wir mit einem Erwachsenen unterwegs sein. Dadurch hatten wir weniger Freiheiten, als wir es aus Deutschland gewohnt sind.
Ferien-Kontraste: Santa Cruz und Coroico
In den Ferien wurde uns besonders bewusst, wie unterschiedlich Bolivien landschaftlich und sozial geprägt ist.
Eine von uns reiste mit ihrer Gastfamilie nach Santa Cruz. Die Stadt liegt deutlich tiefer als La Paz und hat deshalb ein viel wärmeres und tropischeres Klima. Die Landschaft und das Stadtbild unterschieden sich stark von dem, was wir aus dem hoch gelegenen La Paz kannten.
Die andere von uns besuchte Coroico, eine kleinere Stadt in den Bergen, nicht weit von La Paz entfernt. Dort befinden sich die Häuser direkt an den grünen Berghängen. Die Anreise war aufgrund der schmalen und steilen Straßen teilweise schwierig. Besonders bei Regen können die Straßen gefährlich glatt werden.
In Coroico ist das Leben deutlich einfacher und ländlicher. Die feuchte Wärme, die üppige
Vegetation und die exotischen Plantagen ließen den Ort wie eine völlig andere Welt im Vergleich zum zentralen La Paz wirken.
Historische Reise: Sucre, Potosí und Uyuni
Eine der größten Highlights unseres Austausches war definitiv die einwöchige gemeinsame Reise mit anderen deutschen Austauschschülerinnen. Nach einem Flug nach Sucre fuhren wir anschließend mit einem Minibus durch den Süden und Westen Bolivien
Unser erstes Ziel war Sucre. Die Stadt beeindruckte uns besonders durch ihre weißen Kolonialbauten und das angenehm mildere Klima. Sucre ist außerdem stark von Studenten geprägt, da sich dort mehrere große Universitäten befinden. Während unseres Aufenthalts besuchten wir verschiedene Museen und lernten viel über die Geschichte und Traditionen Boliviens.
Danach ging es weiter nach Potosí. Die Stadt liegt auf über 4.000 Metern Höhe und ist vor allem für den „Cerro Rico" bekannt. Der Berg ist seit Jahrhunderten durch den Bergbau geprägt. Besonders beeindruckend und gleichzeitig erschreckend war der Besuch einer Mine. Dort konnten wir direkt sehen, unter welchen schwierigen Bedingungen die Minenarbeiter arbeiten. Die Atmosphäre und die Arbeitsbedingungen waren für uns sehr ungewohnt und haben uns nachhaltig beschäftigt.
Unser letzter großer Halt war Uyuni. Von der Stadt selbst bekamen wir allerdings nicht besonders viel mit, da unser Hauptziel der berühmte Salar de Uyuni war. Zuvor besuchten wir noch einen Friedhof für alte Dampflokomotiven aus der Kolonialzeit. Dort konnten wir zwischen den alten Lokomotiven herumklettern und sogar einen kleinen Parcours daraus machen.
Der Salar de Uyuni ist nur schwer in Worte zu fassen. Er ist die größte Salzwüste der Erde und besteht aus einer scheinbar unendlichen, strahlend weißen Fläche unter einem hellblauen Himmel. Besonders beeindruckend war der Teil der Salzwüste, der mit einer dünnen Wasserschicht bedeckt war. Dadurch spiegelte sich der Himmel auf dem Boden, sodass es so aussah, als würden wir zwischen Himmel und Erde stehen.
Unser Fazit
Der Austausch hat uns gezeigt, wie vielfältig Bolivien ist. Innerhalb weniger Wochen konnten wir ganz unterschiedliche Landschaften, Lebensweisen und soziale Verhältnisse kennenlernen. Von der modernen Zona Sur in La Paz über das tropische Coroico bis hin zu den historischen Städten Sucre und Potosí und der beeindruckenden Landschaft des Salar de Uyuni haben wir viele verschiedene Seiten des Landes erlebt.
Besonders viel haben wir dabei über Anpassungsfähigkeit gelernt. Nicht alles lief so, wie wir es aus Deutschland gewohnt waren, und gerade die Unterschiede im Alltag haben uns manchmal vor Herausforderungen gestellt. Gleichzeitig haben wir dadurch gelernt, flexibler zu sein und uns auf neue Situationen einzulassen.
Neben den vielen Erlebnissen nehmen wir vor allem die Gastfreundschaft der Menschen, die neuen Freundschaften und viele unvergessliche Erinnerungen mit nach Deutschland. Der Austausch war für uns deshalb nicht nur eine Möglichkeit, unser Spanisch zu verbessern, sondern eine Erfahrung, die uns auch persönlich weitergebracht hat.
Lisa und Luana (KS1)
Der Schüleraustausch zwischen dem Mörike-Gymnasium und der Deutschen Schule „Mariscal Braun" in La Paz ist ein privater Schüleraustausch für Spanischschüler*innen in der 10. Klasse (G8) oder in der 11. Klasse (G9). Die Deutschen beherbergen im Herbst eine/n Bolivianer/in und zwischen Ostern und Pfingsten gehen sie dafür nach Bolivien. Bei Interesse kann man sich an Frau Brenner wenden.
